Gutes Morgen - Austausch über positive Zukünfte

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Gutes Morgen!

Wie können wir uns eine lebenswerte Zukunft konkret vorstellen? Und wo sind die Ideen und Beispiele fürs Handeln, damit es nicht beim Vorstellen bleibt?

Hier ist Raum für alle möglichen Themen, Perspektiven und Formen. Es gibt kein Header-Bild über allem, weil Zukunftsbilder schon Teil der Diskussion sind.

Schlechte Nachrichten könnten Auslöser für einen Beitrag sein, aber als reine Infos passen sie besser in andere Foren - versuchen wir es hier einmal konstruktiv von unten!

EnglishGood Tomorrow!

How to imagine a liveable future? And where are the ideas and examples for acting on it?

A space for all kinds of topics, perspectives, and shapes. There is no header above it all, because the imagery of future is up to debate as well.

Bad news could trigger a post, but as mere news they are a better fit with other communities here. Let's try to build some positive momentum from the bottom up!


founded 3 months ago
MODERATORS
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submitted 3 months ago* (last edited 1 month ago) by borisentiu@feddit.org to c/gutesmorgen@feddit.org
 
 

(no pun intended)

Viele Beiträge anzupinnen ist nicht so praktisch, daher mal zwei Sachen unter einem Hut:

Zum einen eine laufend aktualisierbare Schlagwortliste. Die Verwendung von Schlagwörtern ist absolut keine Pflicht, kann aber nützlich sein, um mit z. B. #mobilität alle Beiträge zu finden zu Fahrrad, Auto etc. Eine Liste hilft dann für den Überblick und die Frage, ob Mobilität oder Verkehr schon etabliert ist.

Zum anderen - viel wichtiger - können wir hier Ideen, Wünsche und Gedanken zur Community (oder zur Zukunft) sammeln. Ich persönlich wünsche mir eine große Bandbreite an Beiträgen und möglichst viel Interaktion. Letztere kann größer werden als in der ersten Version, je mehr Menschen in dieser gemütlichen Küche brainstormen (und natürlich auch direkt posten!)

Gibt es z. B. regelmäßige Rubriken, die ihr euch gut vorstellen könnt?


Schlagwortliste:

  • #arbeit
  • #biodiversität
  • #gerechtigkeit
  • #gesellschaft
  • #gesundheit
  • #energie
  • #ernährung
  • #infrastruktur
  • #jugend
  • #kooperation
  • #konsum
  • #landwirtschaft
  • #mobilität
  • #natur
  • #politik
  • #quellen
  • #recht
  • #tierwohl
  • #umwelt
  • #wirtschaft
  • #zukünste ...

Ich hab kürzlich gelesen, dass beim Tippen des Hashtags für die Ausgabe bei verschiedenen Geräten \ plus # am besten funktioniert, erscheint dann trotzdem und zuverlässiger als #. Stimmt das überhaupt?

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Einstieg

Das Forum Gutes Morgen kann unkompliziert genutzt werden:

Lesen:
https://feddit.org/c/gutesmorgen

Aktiv werden:

1.) Auf https://feddit.org kostenlos mit einem Benutzernamen registrieren (Zur Verifizierung als Mensch reicht einfach ein frei formuliertes Sätzchen, nach kurzer Zeit ist die Registrierung dann durch)

2.) Gutes Morgen ansteuern (https://feddit.org/c/gutesmorgen oder über Communitys > Suche, am Smartphone vorher noch über Menüstriche rechts oben)

3.) Mitmachen!

(4.) Gutes Morgen kostenlos 'abonnieren', wenn man neue Beiträge auf die eigene Feddit-Startseite bekommen und auch einfach die Community wachsen lassen möchte. Desktop: Abonnieren-Button. Am Smartphone mit dem "+" neben "Seitenleiste" diese ausklappen. Außer dem Abo-Button gibt es dort auch immer Kurzinfos zu Communitys.

Wer über neue Inhalte gerne benachrichtigt werden möchte, kann mit einer App wie dem RSS-Reader oder am Desktop z.B. über Mozilla Thunderbird so genannte RSS-Feeds nutzen. Dazu in der Community-Ansicht Sortierung z.B. nach 'neu' auswählen und auf das funkartige Symbol rechts daneben klicken. Mit der Adresse der folgenden Seite kann man dann das Hilfsmittel der Wahl füttern.

Inhalte des Vorgängerforums sind momentan hier zugänglich: https://feddit.org/c/gutesmorgen@feddit.de

Für den Blick über die Forumsgrenzen hinaus lohnt es sich bei der Ansicht zwischen abonniert/lokal/alle bzw. aktiv/neu/kontrovers etc. zu wechseln.

Weitere Infos werden durch Klick auf die ▶ Dreiecke ausgeklappt.

Bedienung

Bedienung

Einstellungen: Über das Klappmenü neben dem Benutzernamen (Smartphone: erst auf 3 Striche rechts oben) gelangt man zu den Einstellungen. Unter anderem kann man hier die bevorzugte Sortierungsweise der Beiträge (innerhalb der Communitys) voreinstellen und einen kürzeren Text verfassen ("Biographie"), den andere beim Klicken auf den Benutzernamen sehen können. Sprache: 'undeterminded' und Deutsch und evtl. Englisch, damit alle Inhalte erscheinen, unabhängig von der Sprachauswahl, die beim Erstellen verwendet wurde.

Profil: Bei fremden und eigenen Profilen sieht man Beiträge und Kommentare der Person und hat auch die Möglichkeit ihr eine Nachricht zu schicken. Beim eigenen Profil sieht man noch die abonnierten Communitys und - unter "Gepeichert" - die Beiträge und Kommentare, die man sich mit einem Klick auf den Stern dort markiert hat.

Aktionen:

Beiträge sortieren: Über Klappmenü bei "Beiträge" u. "Kommentare" nach aktiv, neu, alt, meistkommentiert etc. sortieren

Etwas hoch- oder runterwählen: Pfeil hoch bzw. runter.

Beitrag kommentieren: Text ins entsprechende Feld eingeben.

Antwort auf einen Kommentar: 'Pfeil nach links' unter dem Kommentar.

Der Button "Beitrag erstellen" ist gut sichtbar. Bei den Textfeldern finden sich Möglichkeiten zu Kursivierung etc. und mit dem Fragezeichen auch ein Link zum Lemmy-Handbuch (englisch) mit weiteren Formatierungstipps. Inhaltlich gelten für Beiträge wie Kommentare die Regeln, die auf der Seitenleiste von Feddit.de zu finden sind.

Merken: Der Stern ist ein persönliches Lesezeichen (s. Profil).

Einen Link zu Beitrag teilen o. kopieren: über '3 verbundene Punkte' Link zu Kommentar kopieren: über 'Verschränkte Büroklammern' neben Benutzername des Kommentierenden.

Mit '2 Papiere übereinander' kann man das Crossposting einleiten, d.h. man kann den (auch fremden) Beitrag so wie er ist oder mit einem eigenen Begleittext versehen in eine andere Community nach Wahl kopieren.

Das bunte Fediverse-Symbol führt an die Stelle im Fediverse, an der ein Element ursprünglich zuerst veröffentlicht wurde.

Am Ende der Aktionen-Leiste kann man noch eine Auswahlmenü ausklappen: Hier findet man die Möglichkeiten zum Bearbeiten oder Löschen des eigenen Beitrags/Kommentars. Cursor auf die bzw. Antippen der Angabe 'vor x Stunden/Tagen' verrät, wann der Inhalt veröffentlicht und wann zuletzt bearbeitet wurde.

Probleme?

Wenn unter einem Beitrag weniger Kommentare zu lesen sind als es laut Zählung gibt, ist das in den Einstellungen zu beheben: Als Sprachen sollten 'undetermined' und Deutsch und eventuell Englisch ausgewählt sein. Siehe auch hier https://feddit.org/post/163939


Hintergrundinformationen

Der Austausch zu Zukunftsfragen kann nach diesem Einstieg losgehen!

Je nach Zeit und Neugier kann man im eigenen Tempo (oder auch gar nicht) über die Grenzen des Forums hinaus das so genannte Fediverse erkunden. Für etwas Kontext hier noch zusätzliche Informationen, die niemanden erschlagen, sondern einfach 'da sein' sollen. Wir können hier fortlaufend Fragen und Tipps sammeln, auch Erfahrungen mit anderen Diensten teilen. Für die Frage, welche Rolle die sozialen Medien in der (guten) Zukunft spielen werden, können die alternativen Strukturen hinter diesem Forum auch Stoff für die Diskussion in diesem Forum liefern.

Wer steckt hinter dem Forum?

Ich [https://feddit.org/u/borisentiu] habe es im Dezember 2023 zunächst auf feddit.de, dann im Juni 2024 hier eröffnet - in der Hoffnung, dass wir es gemeinsam mit Leben füllen! Hinter mir wiederum steht keine Organisation, Firma o. ä. Ich war davor nicht im Fediverse unterwegs und lerne gern dazu.

Eingriffe durch Moderation?

Als Moderator habe ich - wenn ich da nichts übersehe - keine anderen Einblicke als als alle anderen , z. B. sehe ich auch nicht, wer das Forum abonniert hat. Aktiv könnte und müsste ich bei Regelverstößen Beiträge/Kommentare (vorläufig) entfernen oder Profile ausschließen. Das wäre dann automatisch im Moderations-Log in der Seitenleiste transparent dokumentiert. Dagegen würde ich Beiträge, die ich persönlich im Sinne der Community-Beschreibung nur nicht recht passend finde, nicht antasten, sondern höchstens den Dialog suchen. Bei Bedarf können wir später die Seitenleiste umgestalten, Foren sind da unterschiedlich genau in ihren Abmachungen.

Die Regeln finden sich in der Seitenleiste von https://feddit.org.

https://join-lemmy.org/docs/users/04-moderation.html (Kapitel Moderation im Lemmy-Handbuch, englisch)


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Wo befindet sich das Forum?

'Gutes Morgen' ist eine Community auf Feddit.org, Feddit.org eine Instanz von Lemmy, Lemmy Teil des Fediverse.

Was heißt das?

Im Fediverse verbinden sich mittels Open Source-Software mehrere Plattformen (oder Dienste) mit unterschiedlichen Hauptfunktionen (z.B. kürzere Mitteilungen austauschen, Videos teilen etc.), aber nicht im Sinne eines Superkonzerns mit zentraler Steuerung, intransparenten Algorithmen-Filtern, Gewinnorientierung und in der Hand ganz Weniger. Diese alternativen sozialen Medien als ein Fediverse zu betrachten ist weit verbreitet, aber Ansichtssache. Heißer diskutiert wird die Frage, wie auf Annäherungsversuche von kommerziellen Anbietern reagiert werden soll, die wie Threads (vom global player Meta) die 'Fediverse'-Schnittstelle ActivityPub bei sich einbauen. Ob man diese Verbindung nutzt oder nicht kann man im relativ kleinen Kreis entscheiden.

Denn: Die einzelnen Plattformen sind dezentral organisiert, also aus vielen Servern zusammengesetzt, die von jeweils anderen Personen, Gruppen oder Institutionen bereitgestellt und von jeweils anderen Administrator*innen betreut werden. Diese Server kommunizieren aber programmier- und anmeldetechnisch auf einer Wellenlänge, so dass User sich auf der gesamten Plattform bewegen können. Als User hat man mit den meisten Details nichts zu tun, wenn man nicht will.

Lemmy: Die meisten Fediverse-Plattformen lassen sich als direkte Alternativen zu einzelnen kommerziellen Plattformen verstehen. Mastodon z.B. ist so gesehen das/ein "Twitter/X des Fediverse". Lemmy wiederum ist ein "Reddit des Fediverse", wobei selbst Reddit im deutschsprachigen Raum sehr viel unbekannter ist als Twitter/X, Facebook, Youtube oder Instagram.

Lemmy ist eine Plattform für Foren ("Communities"), die die User nach Lust und Laune ins Leben rufen können. Zu völlig unterschiedlichen Themen gibt es Seiten, auf denen sich Beiträge mit Kommentarbereich ansammeln. Manchmal wird diese Art Plattform auch als Social-News-oder Link-Aggregator bezeichnet. Das betont dann weniger selbst verfasste Beiträge, sondern die Verlinkung von Zeitungsartikeln und anderen Quellen zu einem bestimmten Thema. In der Praxis mischt sich das je nachdem.

Außer kommentieren kann man Beiträge und andere Kommentare auch hoch- oder runterwählen. Schaut man sich ein Forum an, hat man deshalb verschiedene Möglichkeiten sortieren zu lassen: z. B. neueste, beliebteste (im Zeitraum x) oder kontroverseste Beiträge zuerst. Beiträge sind meist Texte unterschiedlicher Länge, Bilder oder Links zu Quellen. 'Abonniert' man Communitys bekommt man eine eine Startseite/Timeline, die aus deren Beiträgen zusammengesetzt ist. Daneben gibt es aber auch Zusammenstellungen nach anderen Kriterien.

Feddit.org: Wie oben beschrieben setzt sich auch Lemmy aus vielen Servern zusammen. Von Userseite begegnet man ihnen als so genannte "Instanzen". Man meldet sich also nicht "bei Lemmy" an wie man sich "bei Twitter/X" registriert. Das ist kein Akt, hat aber den Vorteil, dass man sich nicht auf Gedeih und Verderb einer allesbeherrschenden, zentralen Instanz ausliefert. Wer sich mit Kriterien für die Wahl oder mit der Möglichkeit zu wechseln beschäftigen möchte, findet in den Quellen unten Anhaltspunkte.

Ähnlich wie bei der Wahl eines Mobilfunkanbieters kann man danach trotzdem mit denen kommunizieren, die eine andere Wahl getroffen haben. Feddit.org wird unter dem Dach der gemeinnützigen Fediverse.Foundation betrieben, wodurch auch der technische Support auf mehrere Schultern verteilt ist. Die Server laufen mit Ökostrom. Mit feddit.org als 'Heimathafen' hat man gleich mal eine Sammlung deutschsprachiger Communitys vor Augen, auf die man jedoch nicht beschränkt ist: Communitys > Lokal. Gleich daneben, unter 'Alle,' Communitys auch anderer Instanzen. Die dritte Option ist die Ansicht nur abonnierter Communitys.

Warum ist das Forum an diesem Ort?

Für eine gute Zukunft kann man sich engagieren, wo man geht und steht. Ein Online-Austausch unter vielen benötigt aber eine Infrastruktur und die wird nie für jedes Individuum hundertprozentig passen. Nun haben viele massive Bedenken, auf welcher Basis und in welche Richtung sich die bekannten kommerziellen Plattformen entwickeln - und sehen sich oft dennoch mehr oder weniger darauf angewiesen. Alternativen nach viel offeneren Prinzipien, die bei aller Ausbaufähigkeit keine bloße Zukunftsmusik mehr sind, stellen da eine wirkliche Chance dar und verdienen konstruktive Auseinandersetzung. Wenn alle warten bis alle anderen dort sind...

Wie ich finde ist das Fediverse schon jetzt ein beeindruckendes Resultat von sehr viel Aufmerksamkeit und Arbeit von vielen engagierten Menschen. Manches vom Potential wird erst noch ausgeschöpft werden und es läuft auch nicht immer reibungslos (Es hilft etwas Geduld und Gelassenheit mitzubringen, und sowieso würde ich aufwendigere eigene Beiträge für alle Fälle offline abspeichern).

Ist die Geschmeidigkeit, mit der die kommerziellen Alternativen die Nutzenden in Bahnen lenken, beruhigender?

Das Fediverse ist unentgeltlich nutzbar wie die kommerziellen Dienste, die dann jedoch mit Datenhandel und Werbung ihren Profit machen. Es gibt die Möglichkeit mit Spenden zu unterstützen: die Fediverse.Foundation https://fediverse.foundation/spenden/ ; Lemmy https://join-lemmy.org/donate. Manche Instanzen z.B. für Mastodon regeln es über eine geringe Gebühr.

Der Geist der Zusammenarbeit, ohne den solche Strukturen nicht denkbar sind, passt gut zum Thema des Forums. Damit es keine abgeschlossene 'Bubble' wird, können wir ja auch über alle möglichen Kanäle in Austausch mit der (Online-)Welt außerhalb treten.

P.S. In solchen Foren wird meist mit du/euch angeredet, was aber niemanden davon abhalten soll z. B. in einem Beitrag förmlich zu bleiben.

Erklärvideos und weitere Links zum Thema

https://tube.sekretaerbaer.net/w/p/2CzLLVf2bW82n1JP4F1fBX?playlistPosition=1&resume=true (2 kurze Erklär-Animationen)

https://gnulinux.ch/fediverse-serie-willkommen-im-lemmyversum-communitys-im-fediverse

https://de.wikipedia.org/wiki/Fediverse

https://join-lemmy.org/

https://handbuch.rollenspiel.monster/lemmy/ (Eine Anleitung für Lemmy)

https://digitalcourage.de/digitale-selbstverteidigung/fediverse

https://fediverse.ebildungslabor.de/ (Einführendes Video u. kurze Anleitung am Beispiel Mastodon von Nele Hirsch)

https://fedi.tips/ (englisch)

https://feddit.de/c/main (Feddit-Forum zur Instanz selbst)

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Das waren jetzt ein paar Informationen (und etwas Meinung) von mir, wie immer nicht in Stein gemeißelt - Verbesserungen, Ergänzungen, Fragen etc. willkommen!

#gutesmorgen

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geteilt von: https://feddit.org/post/3952448

Die Pol.is-Umfrage 'Mobilität jetzt und in Zukunft' (4.10.24 bis 13.10.24), die auf den feddit.org-Communities DACH und Gutes Morgen verlinkt wurde, hatte

  • 124 Teilnehmende
  • 118 wurden Gruppen zugeordnet (6 haben weniger als 7 Statements bewertet)
  • 4.974 abgegebene Stimmen
  • 52 Statements (davon waren 8 zur Person und 10 inhaltliche zum Start schon eingestellt)
  • eingereicht von 15 Personen

Ich habe keine Statements abgelehnt im eigentlichen Sinn.

Ein paar Details dazuDer Report zählt 7 'abgelehnte' Statements mit, da ging es aber nur um Ersatz von Statements mit Typos oder zeitnah in Absprache mit Verf. - dabei sind leider kurz vor Fristende durch ungünstige Verkettung auch einige Minuten lang ähnliche Vorläufer von Nr. 55 online gewesen. Ich hatte einen Mod- und einen Abstimmungsaccount, habe mich bei den Personen oben einmal abgezogen.


Die Macher*innen empfehlen das Instrument nicht bei unter 50-100 Leuten. Ich finde zwar schon, dass es je nach Anwendungsfall auch bei kleineren Gruppen nützlich sein kann, aber diese Schwelle haben wir hier ja gut überschritten. Es ist auch sehr gut, dass so viele sehr viele Statements bewertet haben, trotzdem muss man beachten, dass die späteren Einreichungen weniger berücksichtigt wurden.

Insgesamt kann man die Ergebnisse nicht mit einer repräsentativen Umfrage vergleichen (und ich bin sichtlich auch kein ausgebildeter Meinungsforscher). Man kann aber inhaltliche Anregungen mitnehmen und bekommt einen besseren Eindruck von Pol.is. Der Link oben und hier führt zur automatisierten Auswertung: https://pol.is/report/r75xsmfnmayfczkym4bdh

Vielen Dank nochmal für eure Bereitschaft, Zeit und Mitgestaltung!

Muster

Bei Pol.is geht es vor allem um die Suche nach Konsens- und Dissensmustern in einer bestimmten Meinungslandschaft und um einen Prozess, der nach Möglichkeit neuen Konsens fördern soll. Dieser Prozess baut wiederum auf dem Bild auf, dass sich aus der Befragung nach und nach zusammensetzt.
Man kann auch aus den Balkendiagrammen zu den Statements seine Schlüsse ziehen, aber die Gruppenbildung soll eine orientierende Funktion bieten. Im automatisch erstellten Bericht sind die Gruppen immer in irgendeiner Form präsent.

Die automatisierte Auswertung schlägt 3 Gruppen vor, deren Mitglieder man z. B. so skizzieren könnte:

Gruppe A (63): Nutzen und pushen ÖPNV, leben überwiegend im städtischen Bereich, würden die 'autogerechte' Stadt umbauen, bevor die Zahl der PKW abgenommen hat (s. Parkraum-Statement Nr. 37; Nr. 44), zeigen Trend weg vom Autobesitz

Gruppe C (11): Anhand mehrerer Statements als Gegenpart zu A näher am Auto. Nutzung eines Autos ersetzt Besitz nicht, sie selbst sehen sich eher nicht zum Autofahren gezwungen (Nr.9), lehnen aber die grundsätzliche Aussage ab, dass viele aus Bequemlichkeit, nicht aus Mangel an Alternativen Auto fahren. Höherer Anteil ländlicher Raum.

Gruppe B (44): Nehmen eine Zwischenstellung ein. Deutlich höherer Stadt-Anteil als C. Stimmen mit 79% Nr. 9 zu ("Für mich trifft eher zu: Ich will nicht Auto fahren, aber ich muss. (nach Katja Diehl)), während C mit 71% verneint. Für B wäre ein günstigerer und zuverlässigerer ÖPNV (Nr. 24 und 25) den Werten nach ein Gamechanger, während C hier deutlich zurückhaltender ist. Eher geteilt wird eine Skepsis, ob Verteuerungen der Automobilität politisch ratsam sind - eine Frage, die etwas wegführt von der ganz persönlichen Situation. (12) B und C verbinden auch eine Antriebswende eher mit der Hoffnung auf Kontinuität (im positiven Sinn) als A (13)

Diese Gruppenbildung schafft eine höhere Sichtbarkeit für die 11 Personen, die auch nicht in einer gemeinsamen Gruppe mit B untergehen. Die Berichtsabteilung 'Majority' und das Gesamtergebnis neben jedem Statement lässt aber wiederum auch die Mehrheitsverhältnisse nicht in den Hintergrund treten.

Mit dem Trennenden auch das Verbindende zeigen

Es gibt Konsense, die nicht erst hergestellt werden, sondern sich einfach zeigen: Zum Beispiel hätte ich nicht erwartet, dass Gruppe C mit deutlicher Mehrheit kostenlosem ÖPNV als langfristigem Ziel zustimmt (Nr. 14). Bei ein paar späten Fragen ist die Beteiligung reduziert (6 Personen von Gr. C), aber trotzdem überrascht mich die Zustimmung zu deutlich erhöhter Kfz-Steuer für sehr schwere PKW und eine gewisse Offenheit für die Vorschläge Tempolimit oder sogar autofreie Sonntage.

Gut möglich, dass eine solche schwach ausgeprägte Polarisierung für Feddit repräsentativ ist, z. B. landesweit aber stärker vorhanden wäre. Die umfassende Abwehr gegen jegliche Veränderungen am automobilen System verschafft sich bzw. bekommt in der öffentlichen/veröffentlichten Debatte einiges Gehör. Falls es bei der Umfrage woanders eine entsprechende Gruppe D gäbe - wie groß wäre sie?

Gruppenübergreifend gab es Mehrheiten z. B. für "Schienen-Fernverkehr muss günstiger als Fliegen sein" (Nr.16), "Mehr Subventionen in den Schienenverkehr" (23) oder die Feststellung, dass ÖPNV auf dem Land zu schlecht aufgestellt ist.

Prozess hin zu neuen Konsensen

Wenn man davon ausgeht, dass sich zunächst erstmal die vor der Umfrage bestehenden abweichenden Positionen in entsprechend abweichenden Statements und Bewertungen niederschlagen, stellt sich die Frage, wie man zu Annäherungen kommen kann.

Zentral ist, denke ich, dass man auf andere Statements bzw. deren Bewertung mit darauf bezogenen Formulierungen reagiert oder eigene Statements ggf. variiert. Dabei kann man sich von den Zwischenergebnissen - sowohl Dissens als auch Konsens - inspirieren lassen. (Übrigens habe ich erst jetzt kapiert, dass man auch diesen 'Report' u. a. mit allen Statements und ihren Zwischenergebnissen ja schon in einer Live-Variante hätte teilen können.)

Ich selbst habe mit 3 eigenen Statements auf andere reagiert, allerdings zu spät um so richtig tragfähige Ergebnisse zu bekommen. In der Tendenz scheinen sie aber mehrheitsfähiger zu sein. 54 reagiert auf 19, die Ridesharing-Pflicht, mit moderaten Ansätzen zur Erhöhung der PKW-Auslastung. Nr. 44 ("Der Automobil-Individualverkehr gehört raus aus den Städten.") habe ich durch eine Formulierung ersetzt, die einerseits weniger radikal ist, andererseits so ähnlich für eine knappe Mehrheit in Marburg noch zu radikal war (58, s. auch Kommentar hier). Und schließlich wollte ich der Harmonie in Sachen 'Mehr Subventionen für die Bahn' auf den Zahn fühlen und habe sie mit einer Verlagerung weg von staatlichen Mitteln fürs Auto verknüpft.

Es könnte auch sinnvoll sein eine ganze zweite Runde so zu gestalten, dass man keine ganz neuen Fässer aufmacht (Flugtaxis fördern?), sondern sich mit den alten Statements und Ergebnissen beschäftigt: Tempolimit, aber welche Geschwindigkeiten? Verteuerung Auto, aber wie genau und wie stark?

Hier noch eine ganze Reihe von Überlegungen zum / nach dem Einsatz von Pol.is

Grenzen des Praktikablen?

Die unbegrenzte Zahl an Statements ist zugleich eine (basisdemokratische) Stärke und Schwäche des Instruments. Als Moderator nach Gutdünken auszuwählen oder im Vorfeld zum Mitmachen und zum Zurückhalten aufzurufen, wäre für mich nicht in Frage gekommen. Der in der Einführung erwähnte, einfache Algorithmus versucht der Problematik Rechnung zu tragen, indem Statements individuell nach vorne sortiert werden, die sich im bisherigen Verlauf als 'unterscheidend' gezeigt haben.

Lösungen sehe ich nur im Gesamtdesign des Prozesses. Im Idealfall würde man wohl mehr als eine Runde machen und nach dieser ersten Sammlung auf welchem Weg auch immer Statements bündeln, reduzieren, aber umgekehrt vielleicht auch Statements nochmal aufdröseln, die allgemein gehalten Mehrheiten gefunden haben. Oder in einer zweiten Phase Unterthemen auf verschiedene Umfragen/Diskussionen, Arbeitskreise etc. aufteilen. Oder sich auf ein Unterthema konzentrieren, das besonders lohnenswert erscheint.

Eine andere Möglichkeit ist, von vornherein ein engeres Thema zu wählen, in dem Fall z.B. das Thema 'Superblocks in der Stadt X'. Aber auch da spielen ja allgemeinere Ansichten über Mobilität etc. eine Rolle, die man schlecht ausklammern kann.

Eine weitere Variable ist, wie viel Einsatzbereitschaft die Beteiligten angesichts der Zahl mitbringen. Ich würde denken sie war in unserem Fall überdurchschnittlich, wäre im Fall einer Stadtöffentlichkeit z.B. so wohl eher nicht gleich reproduzierbar, aber könnte vielleicht dann noch gesteigert werden, wenn etwa eine bestehende Organisation durch ein Ziel motiviert ist und man Einsparungen bei anderen Kommunikationsformen oder Plenen gegenrechnet.

In der mir zur Verfügung stehenden Form besteht bei einer Pol.is-Umfrage das Risiko der (un)beabsichtigten Mehrfachteilnahme einer Person. Für Großprojekte bieten die Macher*innen zumindest Hilfe an.

"For most organizations, gaming is not a concern. If your organization is large, and this is a primary concern, reach out to us at CompDem. We're happy to discuss the issue in-depth in the course of your engagement or onboarding, and discuss various mitigation strategies for botnets and targeted attacks, from authorization strategies to cloud systems to steps in the subsequent analysis." (https://compdemocracy.org/gaming-the-system/)


Das wäre besonders relevant im Umkreis von tatsächlichen Entscheidungen: Eine manipulierte Umfrage im Vorfeld eines Bürgerentscheids z. B. wäre sicher problematisch. Stellt sich die Frage nach technischen und organisatorischen Lösungen. Vielleicht können IT-Leute hier mal einschätzen, wie aufwändig ein Hosting (https://compdemocracy.org/deploying-Polis/ ) mit vorgeschalteter Passwort-Abfrage z.B. wäre. Fragt sich, wie man dann Passwörter verteilt...

Davon ist die Funktion, gemeinsam Ideen zu sammeln und zu bearbeiten, jedenfalls nicht betroffen.

Lenkt der Fokus auf Gruppen zu sehr den Blick? Das kann schon sein, aber immerhin wird ja für alle Statements auch die Gesamtwertung zur Verfügung gestellt. Was wiederum zur noch kleinteiligeren Betrachtung praktisch sein könnte: wenn man z.B den Nein-Anteil eines Statements ansteuern und sich anschauen könnte, wie genau diese Teilnehmenden sich zu bestimmten anderen Fragen positionieren.

Bei den visualisierenden Komponenten habe ich selbst ein gemischtes Urteil. Die Kreise etc. finde ich teilweise eher verwirrend und ich verstehe auch die Position des eigenen Avatars nicht. Mir gefällt, dass man anhand der weißen Abschnitte in den Balkendiagrammen sofort sieht, wie viele ein Statement überhaupt zu Gesicht bekommen haben.

Pol.is ist kein Wundermittel, aber kann Baustein einer besseren Diskussionskultur sein. Was nicht im Mittelpunkt steht, z.B. das ausführliche Darlegen von Argumentationen, das sollte Teil eines Gesamtkonzepts sein. Wenn z. B. eine Lokalzeitung ein Jahr lang das Schwerpunkt-Thema Mobilität hätte, könnte man mit so etwas starten wie wie wir es getan haben, ohne inhaltliche Inputs zuvor.

Zwischen weiteren Pol.is-Runden könnte man dann Pro/Kontra-Kommentare mit Argumenten bringen, Sacherklärungen (Was ist nochmal genau Ridesharing, Superblock etc.), Faktenchecks, Beispiele aus der Stadt und ansonsten eben den sich abzeichnenden Konflikten und Übereinstimmungen nachgehen. Die Grundlage für Wahlentscheidungen und Partizipation wäre dann schon mal eine ganz andere.

Da es gar nicht so einfach ist, solche Statements zu formulieren und damit umzugehen, fände ich es sowieso nach wie vor nützlich, wenn das immer mal wieder in unterschiedlichen Konstellationen quasi als Kulturtechnik geübt werden könnte. Ich habe anfangs bewusst auch eine Frage gestellt, die 'ungeschickt' zu beantworten ist:

Ich würde gerne mehr Rad fahren, aber die Situation für Radfahrende ist in meiner Kommune zu schlecht.

Was antwortet man, wenn man die Situation für schlecht hält, aber sowieso nicht Rad fahren will? Oder die Situation nicht für schlecht hält? Die vorgeschlagene Idee war, dass man in solchen Fällen 'weiter' wählt, wenn eine Voraussetzung nicht zutrifft. Ich denke solche Fragen können auch mal interessieren, aber unterm Strich weiß ich jetzt natürlich nicht, wie z. B. die 100% Nein bei Gruppe C zu interpretieren sind... Insgesamt fand ich die eingereichten Fragen sehr brauchbar.


Für die Zukunft würde es mich auch reizen in den Austausch mit anderen Ecken des Netzes zu gehen, z. B. mit Reddits DACH.

Wie seht ihr das und die Erfahrung mit diesem Versuch? Fällt euch bei den Ergebnissen etwas besonders ins Auge?

P.S. Alle, die das Thema interessiert, lade ich auch zu klassischen Lemmy-Diskussionen ein. Lokal sorgen die erwähnten Superblocks gern mal für Kontroversen. Eine aktuelle open Access-Publikation zeigt an diesem Beispiel informativ und kurzweilig, wie das Thema Mobilität mit vielen anderen Bereichen verknüpft ist und in der Kommunikation verknüpft werden kann. https://feddit.org/post/3952503

[Edit: Habe einen größeren Teil hinter einen Pfeil verschoben.]

#mobilität #demokratie

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Ausgehend von Barcelona hat sich die Idee des Superblocks (katalanisch: Superilles) seit 2017 weltweit verbreitet. Der gemeinsame Nenner ist die Verkehrsberuhigung und Funktionsmischung innerhalb eines Stadtbereichs etwa der Größenordnung von 3 x 3 Häuserblocks. Kreuzungen innerhalb dieses Gebietes werden z. B. durch Diagonalsperren 'halbiert'. Es gibt so keinen Durchgangsverkehr mehr, der sich kreuz und quer durch die Rillen dieser 'Schokoladentafel' bewegt, sondern nach einem Stückchen ist Schluß. Kombiniert wird die Maßnahme mit der Umwidmung von Parkraum zu Sitzgelegenheiten, Grünflächen etc.

Die Open Access-Publikation alles super? Wie Superblocks unserer Städte zu besseren Orten machen der Stadtplaner*innen von Urbanista zeigt mit Blick auf mehrere Länder, wie Änderungen, aber auch der Status quo in der Verkehrs- und Raumordnung auf viele Aspekte unseres Lebens einwirken. Widerstände und Abschottung gegen inspirierende Beispiele (AGABU - 'Alles ganz anders bei uns', S. 44), aber auch einfach die lokalen Rahmenbedingungen erfordern viel Kommunikation, Beteiligungsformate und praktische Erfahrungen nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Dann eignen sich die Menschen das Konzept an und es entsteht mit dem Kiezblock oder dem Supergrätzel jeweils keine bloße Kopie.

Die Berichte und Interviews auf 100 Seiten lesen sich sehr kurzweilig, daher gebe ich an dieser Stelle nur einen Vorgeschmack auf die Kapitel. Neben Superblocks (die nicht nur in rechtwinkligen Strukturen möglich sind, s. Seite 16) fließen auch andere Maßnahmen zur Förderung eines lebenswerteren Stadtraums ein.

  • Bei Mailands Piazze Aperte liegt ein besonders großer Schwerpunkt auf der Schaffung öffentlicher Räume für ein wiederbelebtes Nachbarschaftsleben, die über ein paar Parklets hinausgehen. Auch andere (temporäre) Varianten erweitern das Minimalmodell mit reinen Fußgängerzonen für verschiedenste Aktivitäten und Kontakte (Ungewohnte Bilder! Die Titel-Illustration scheint mir dafür etwas irreführend weit von einem klassischeren Superblock entfernt)
  • Die Reduzierung von Autoverkehr spielt natürlich auch eine Rolle im Rahmen der Klimakrise, was aber oft genug als Argument nicht verfängt. Da sie aber mehrere Vorteile bringt, kann in der Kommunikation immerhin auf Themen wie z. B. Sicherheit 'ausgewichen' werden, wenn wie in Paris die Verkehrsberuhigung rund um Schulen und Kindergärten konsequent vorangetrieben wird (S.33) .
  • Häufiges Gegenargument 'Geschäftsschädigend!' wird ebenso häufig widerlegt (44f)
  • Gesundheit: Tod und Krankheit durch Verkehrsemissionen und -unfälle gehen in der öffentlichen Diskussion unter, dabei würde auch schon rein finanziell das Gesundheitssystem von einem Umlenken profitieren (auch durch mehr Bewegung). Einzelne Superblocks können dabei über ihren direkten Effekt hinaus dazu beitragen, dass sich die Stadtgesellschaft eine andere Art und Weise der Stadtgestaltung vorstellen kann
  • Stadtklima: Vor allem die lokalen Effekte von Bepflanzung statt Parkraum und Versiegelung sind bei zunehmender Hitze (die besonders Frauen, Alte und Einkommensschwache trifft, S.63) nicht zu unterschätzen. Auf Seite 62 wird die Formel 3-30-300 vorgestellt, die u. a. 3 Bäume in Sichtweite des Zuhauses eines jeden Menschen fordert.
  • Biodiversität: Auch auf kleiner Fläche (z. B. Baumscheiben) kann viel getan werden, vor allem wenn sich stadtweit ein Netz ergibt. Hier wird das schöne Bild von den Trittsteinen gewählt, die das Leben z. B. von Insekten unterstützen (72).
  • Im Zuge der Mobilitäts-Umfrage kam sinngemäß auch das Thema auf, ob Parkraum reduziert werden sollte, bevor es weniger Autos gibt. Auf den Autoverkehr insgesamt bezogen machen die Autor*innen hier auf das Gegenstück zum sog. induzierten Verkehr (Mehr Straßen führen zu mehr Verkehr) aufmerksam: "Wenn Straßenkapazitäten abgebaut werden, führt dies zu verschwindendem Verkehr." (80)
  • Temporäre Versuche wie in Hamburg Ottensen können Konflikte, Vandalismus und juristische Niederlagen mit sich bringen - und dennoch in eine Verstetigung münden. Partizipation und Flexibilität, aber auch ein gewisses Durchhaltevermögen müssen dabei ausbalanciert werden.

#mobilität #wohnen #gesundheit #beteiligung #stadtplanung

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Die Abstimmung als solche ist jetzt beendet, es haben 124 Personen mitgemacht!* Vielen Dank für so zahlreiche und gründliche Beteiligung! Hier ist der Link zum automatisch erstellten 'Report' (englisch): https://pol.is/report/r75xsmfnmayfczkym4bdh Ich selbst komme am Dienstag dazu, den Ablauf und die Ergebnisse in einem Beitrag zu reflektieren. Vor allem interessieren mich eure Perspektiven auf das Experiment, die ihr natürlich auch vorher schon hier oder in den Erinnerungs-Posts teilen könnt.
(*Ja, Mehrfach-Teilnahmen sind nicht auszuschließen)

UPDATE: Die Zahl ist bis jetzt gestiegen auf 65 - vielen Dank für eure Zeit und euren Einsatz! Es sind aber auch nochmal einige Statements dazugekommen, weshalb es sich wirklich lohnt bis Sonntag Abend 20 Uhr reinzuschauen und den Abstimmungspart zu komplettieren.

geteilt von: https://feddit.org/post/3667142

... bisher haben 29 Personen mitgemacht, die Statements kommen bereits aus 8 Quellen. Das freut mich! Wir befinden uns auf der Zielgeraden, aber es sind noch alle Möglichkeiten der Beteiligung gegeben.

Hier nochmal der begleitende Beitrag: https://feddit.org/post/3480574

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7 Tage aufgestaute Termine, Tipps und Tiraden des Positiven bekommen ihre wohlverdiente Bühne aus Kork.

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Nach der Diskussion und dem Meta-Test zu Pol.is eine thematische Umfrage/Diskussion in der DACH-CommunityGerne abstimmen und verändern!

Hier geht's lang: https://feddit.org/post/3480574

Mobilität kam hier im Forum noch nicht besonders zur Sprache, aber man kann Pol.is auch als eine Art Brainstorming-Instrument sehen um Aspekte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu sammeln. Daran können wir hier gut anschließen.

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Ich schlage gerade mit einem Beitrag (https://feddit.org/post/3274783) in der DACH-Community vor, dass wir mal mit zusammen mit Pol.is herum experimentieren, das ich hier vorgestellt habe. Damit wir nicht zwei parallele Kommentarabteilungen haben, verlinke ich hier im Forum auf den anderen Beitrag.

Es wäre schön, wenn Ihr mal reinschauen würdet!


Edit: Ab jetzt auch mit Link, sorry! Dort erscheint der Text auch richtig formatiert.

Edit 2: Ich habe den Link jetzt nur noch hier im Textkörper stehen, als URL unter dem Titel wird da ein allzu hässlicher, unformatierter Textklotz produziert. Scheint so zu passieren, wenn der verlinkte Beitrag selbst kein Link-Beitrag ist, sondern einer, der nur ein Bild in der Vorschau hat....Hm, ich kann in der Bearbeitung auch nicht mehr 'keine URL' angeben, also dann eben wenigstens ein Link auf den kürzeren Beitrag selbst.


#demokratie #gesellschaft #digitalisierung

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Können Online-Arenen auch zu Konsens statt Konfrontation animieren?

Wie können möglichst viele Stimmen gehört werden?

Bestätigen sich Vermutungen über eine Meinungslandschaft?

Ergänzend zu der eher digitalkritischen Fragestellung hier (https://feddit.org/post/49746), liegt der Schwerpunkt diesmal eher auf dem Potenzial eines Instruments für Aushandlungsprozesse. Die Plattform Pol.is kann für Diskussionen unterschiedlicher Art genutzt werden, besonders spannend ist dabei der Kontext in Taiwan, wo in den letzten Jahren Druck von innen (Protestbewegung 2014) und außen (China) auch in digitaler Form daherkam - und wo Zivilgesellschaft und Regierung vermehrt digital unterstützte, partizipative Politik erproben.

Die Plattform

Pol.is wurde vom Computational Democracy Project entwickelt und folgt dem open source- Prinzip, Menschen mit Programmierkenntnissen können ‘unter die Haube schauen’ und auch eigene Versionen basteln. Als Laie kann man über die Seite https://pol.is/home im Handumdrehen eigene Diskussionen eröffnen und dann per Link andere zur Beteiligung einladen. Für den Account empfiehlt sich als Name ein Pseudonym, da er Teilnehmenden später sichtbar wird. Auch für Teilnehmende ist ein Account praktisch, um auch ohne Cookies zu Diskussionen zurückzukehren.

DatenschutzNutzt man Pol.is so, laufen die Daten über amerikanische Server. In den Bedingungen wird auch auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung (englisch GDPR) eingangen, siehe die Abschnitte ‘International Visitors’ und ‘Supplemental Notice to EU Data’ unter https://pol.is/privacy . Ich selbst kann das nicht beurteilen, aber wer volle Kontrolle will, kann die Software auf Server der Wahl packen.


Für die Benutzung wird auf Einfachheit gesetzt. Als Initator formuliere ich ein Thema und eine handvoll Aussagen dazu. Teilnehmende können auf eine Aussage per Klick mit Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung reagieren - und bekommen dann erst die nächste Aussage gezeigt. Die Möglichkeiten sind im Vergleich zu Sozialen Medien bewusst um das Mittel des Kommentars gekürzt. Dahinter steht neben der Präferenz für Übersichtlichkeit die Annahme, dass solche Diskussionen zu oft nicht fruchtbar sind, in ‘Kommentarkriege’ Weniger, Trollaktionen u. ä. münden.

Zugleich ist man aber zum Beisteuern eigener Aussagen eingeladen, die dann einen eigenen Platz bekommen. Pol.is entspricht damit der Definition einer wikisurvey, d. h. einer Umfrage, deren Inhalte die Befragten selbst mitgestalten. Letzlich entsteht eine Mischform aus Umfrage und Debatte.

Ein konstruktiver Kommentar im herkömmlichen Sinn kann ja z. B. so aussehen, dass man einer Äußerung beipflichtet, aber eine punktuelle Abänderung vorgeschlägt. In Pol.is würde man so eine Synthese dann als neue Aussage einstellen - und möglicherweise ist es genau die Änderung, die auch bei anderen die Akzeptanz erhöht. Jedenfalls sehen nach den bisherigen Erfahrungen positive Diskussionsverläufe öfter so aus, dass nach und nach konsensfähigere Aussagen entwickelt werden.

In der Selbstbeschreibung ist auch von der Nutzung von “advanced statistics and machine learning” die Rede. Dabei versucht die ‘Maschine’ nicht die Aussagen inhaltlich zu analysieren:

“Does Polis use natural language processing (NLP)?” “No. The machine learning 👾 Algorithms run are solely run on the polis opinion matrix of agrees, disagrees and passes by participants on comments. Thus, Polis is language agnostic.” (aus den FAQ)

Pol.is beschränkt sich darauf, die Abstimmungsergebnisse miteinander in Beziehung zu setzen und daran auch die Reihenfolge individuell anzupassen, in der die Thesen angezeigt werden. In der (teilweise) deutschen Benutzeroberfläche fällt das Wort “zufällig”, aber “semi-randomly” (FAQ) ist soweit ich sehe treffender und entspricht der Logik des Ansatzes.

Sinn des Ganzen ist nicht einfach ein Ranking der Aussagen nach Beliebtheit herzustellen. Pol.is versucht 2-5 Gruppen zu fassen, die sich durch ähnliche Abstimmung herauskristallisieren. Wenn viele Teilnehmenden einer These zustimmen, viele andere sie aber ablehnen, schaut Pol.is, ob das übrige Abstimmungverhalten für relativ homogene Gruppen spricht. Eine Gruppe definiert sich dann durch hohe Zustimmungs- oder Ablehnungswerte für eine handvoll Thesen, wobei eben interessant ist, wie hoch genau die Übereinstimmung jeweils noch ist. Da nicht immer alle alle Thesen durchgehen, priorisiert der Algorithmus also die Aussagen, die für die Verortung relevanter sind.

Die Ergebnisse werden danach in einem detaillierten Bericht präsentiert, optional kann man den Teilnehmenden auch parallel zur Diskussion Zwischenstände anzeigen - was dann natürlich auch wieder das Abstimmungsverhalten beeinflussen könnte. Beispiele für solche Berichte sind unten verlinkt. Außer dem Fokus auf die Gruppen gibt es u. a. noch ein Spektrum, das die Verteilung der Thesen von konsensuell zu kontrovers anschaulich macht, und eine Übersicht über “Uncertainty”, die Aussagen, die mehr als 30% der Beteiligten geschoben haben.

Es liegt auf der Hand, dass sehr viel davon abhängt, wie man Diskussionen dann selbst aufsetzt und durchführt: Weit oder eng gefasstes Thema, kurzer oder langer Zeitraum usw.

Eine Variable ist auch, wieviel ‘Profil’ die Teilnehmenden haben. Es ist möglich, den Zugang mit dem Einloggen in Facebook bzw. Twitter/X zu verknüpfen - dann taucht das Profilbild in der Visualisierung auf. Oder Moderierende können eigene und fremde Aussagen als Metadaten markieren: Wer möchte, kann dann z. B. in einer Diskussion zur Agrarpolitik über Aussagen wie “Ich bin selbst Landwirt*in” ‘abstimmen’, um das Meinungsbild zu den eigentlichen Thesen dann noch differenzierter zu bekommen.

Weitere Art der Verlinkung, die ich nicht erklären kann“Can Polis break down opinions based on demographic or location information? Yes, if you’re collecting this data yourself. You can link a participation record to a random long number which links back to your user records, and merge the tables after the conversation ends. Thus, the data export from Polis can be connected to your data.” (FAQ)


Eine Stärke von Pol.is ist die Skalierbarkeit. Während Zahlen von unter 50-100 Teilnehmenden sogar als nicht ideal erachtet werden, ist nach oben sehr viel möglich. Mitbegründer Megill bringt im Video unten den Vergleich, dass 100 Teilnehmende nicht über eine Million Aussagen abstimmen könnten, aber eine Million Teilnehmende durchaus über 100 Aussagen, und in dem Fall der digitale Weg auf unkomplizierte Weise eine Willensbildung ermögliche, die analog kaum denkbar sei.

Jetzt könnte man sich fragen, wie realistisch es ist, dass vielen Menschen nur relativ wenige Aussagen gegenüberstehen. Mit Blick auf Social Media und Pol.is selbst verweist Megill darauf, dass in der Praxis aktiv Schreibende meist nur eine kleine Minderheit gegenüber den anders Nutzenden (lesen, ‘voten’) ausmachen, teilweise nur ein Zehntel. Gerade bei engerer Themenwahl sind auch nicht Unmengen von Ideen zu erwarten und zudem schalten optional Moderator*innen Aussagen erst frei, um z. B. hate speech, aber auch Wiederholungen zu vermeiden. Soweit ich sehe gibt es dafür keine transparente Dokumentation, das müsste man also anderweitig bewerkstelligen.

Taiwan

In Taiwan steht Digitalministerin Audrey Tang, die zuvor zu den ‘civic hackers’ der Sonnenblumenbewegung 2014 gehörte, für einen umfassend gedachten Einbezug digitaler Möglichkeiten unter dem Stichwort vTaiwan (für virtualTaiwan). Das so unterstützte Handling der Pandemie gilt z. B. als erfolgreich, Transparenz (der Regierung, nicht der Bürger, wie Tang hervorhebt) und Partizipation statt Steuerung (die sich oft hinter ‘smart…’-Konzepten verbirgt) sind leitende Ideen dabei. Im Sinne der Problematik ‘Digitalzwang’ (s. Link oben) würde mich interessieren, wie gut dabei die Inklusion von Menschen klappt, die sich ansonsten eher offline bewegen. Internetzugang selbst wird allerdings als Grundrecht angesehen und entsprechend vorangetrieben. Zur sich etablierenden ‘Digitalkultur’ gehört auch, dass bei Projekten und Prozessen mit Fehlern und situativem Anpassungsbedarf gerechnet wird. Siehe Überblick unter https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/default-7b774a0527-2

Ein Beispiel für den Einsatz von Pol.is ist die Diskussion anlässlich eines Konflikts zwischen Uber und der Taxibranche. Auch Behörden und Nutzende wurden in einen mehrschrittigen Prozess eingebunden, der in die Gesetzgebung mündete. Siehe https://www.tomatleeblog.com/archives/175327886 (Abschnitt Example 2)

Klima-Rat

Ein österreichischer Klima-Rat mit ausgelosten Teilnehmer*innen traf sich 2022 an mehreren Wochenenden, ähnlich dem deutschen Klima-Rat vor der letzten Bundestagswahl. In der österreichischen Variante suchte der Rat auch Input und Feedback vom Rest des Landes, nachdem er selbst schon erhaltene Sachinformationen in Gruppen andiskutiert hatte. Die Eingangsthesen waren also schon das (Zwischen-)Ergebnis einer partizipativen Methode.

„‘Die Online-Beteiligung hilft uns dabei, den richtigen Fokus zu setzen, Themen zu ergänzen, die bisher vielleicht untergangen sind und letztlich die besten Empfehlungen an die Politik zu formulieren,’ ergänzt Paul aus Söding-Sankt-Johann in der Steiermark, Mitglied im Klimarats-Team Ernährung." https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20220427_OTS0096/ab-sofort-der-klimarat-fragt-ganz-oesterreich

Im Nachgang haben Mitorganisatoren vermeidbare Fehler im Ablauf, in der Einbindung in den Prozess festgehalten - von den mittlerweile reichlich gemachten Erfahrungen weltweit können neue Initiativen lernen. Inhaltlich zeigte sich in der Diskussion zum Thema ‘Energie’ eine Aufteilung in zwei Gruppen von 1228 und 211 Teilnehmenden, wobei die kleinere durch überwiegend ablehnende Haltung zu weitergehenden Klimaschutzmaßnahmen charakterisiert war.

Grundzüge dieser Position (wie die Relativierung des Problems) sind nicht überraschend; auffällig ist, dass auf eine abstraktere Aussage (Nr. 51 “Klimarat: Österreich muss im Klimaschutz global eine Vorbildrolle übernehmen.”) die Ablehnung noch viel eindeutiger ist (3% pro, 82% contra) als bei konkreteren Statements, die die Gruppe mehrheitlich ablehnt. (Nr. 29 “Klimarat: Ich bin bereit, Windräder auch in meinem näheren Umfeld zu akzeptieren.” 25% pro, 61% contra).

An dieser Stelle nur noch ein Beispiel, das dafür stehen soll, dass der Reiz in der Zusammenschau verschiedener Abstimmungen besteht. Nr. 36 “Klimarat: Produkte und Dienstleistungen, die das Klima belasten, sollen einen deutlich höheren Preis haben als klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen” erhält bei der kleinen Gruppe 18% pro, 60% contra. Noch höhere Ablehnung erntet Nr. 50 “Klimarat: Klimaschutz ist so dringend und muss umgesetzt werden, auch wenn zeitnah keine sozialen Ausgleichsmaßnahmen möglich sind.” (4% pro, 76% contra, dagegen 47 % pro, 33% contra bei der großen Gruppe), was die Vermutung bestätigen könnte, die mangelnde Sozialverträglichkeit der Maßnahme ist ausschlaggebend.
Doch auch Nr. 188 “CO2 muss stärker bepreist werden, aber dafür müssen ärmere Haushalte auch mehr Zuschuss bekommen” bekommt 7% pro, 65% contra (bei geringerer Beteiligung). Verteuerung als solche scheint ein rotes Tuch zu sein, während die Zustimmung für Förderung und Information einen Konsensbereich mit der großen Gruppe bildet (z. B. Nr. 11, Nr.32).

Links zum Beispiel: https://pol.is/report/r8nssrnnnf2bewvtd5f5h (So sieht ein Bericht aus) https://compdemocracy.org/Case-studies/2022-Austria-Klimarat/

Weiteres Beispiel: Die mittlerweile wieder abgeebbte Bewegung ‘Aufstehen’ um Sahra Wagenknecht experimentierte ebenfalls mit Pol.is. Interessant u. a. bezüglich sehr hoher Teilnehmerzahl, Metadaten und technischen Details. https://www.youtube.com/watch?v=1yh2yKHUKU8 https://pol.is/report/r6xd526vyjyjrj9navxrj

Vorläufiges Fazit

Pol.is ist keine Wundertechnik. Auch weil ich von ‘richtiger’ KI in diesem sensiblen Zusammenhang nichts Gutes erwarte, ist das einfache Prinzip aus meiner Sicht aber kein Nachteil. Es bedeutet nur, dass wir Menschen aktiv überlegen und ausprobieren müssen, wann und wie dieses Instrument eine Unterstützung sein kann. Oder was man daran ändern könnte - im Video unten geht es z. B. auch um mehr Antwortmöglichkeiten. Dreh- und Angelpunkt ist für mich die kollaborative Feinarbeit an Formulierungen, die das Rätselraten minimieren, wie Abstimmungsergebnisse zu deuten sind. Ein eher enger gefasstes Thema kann für diese Klärung förderlich sein.

Es klingt vielleicht etwas hochtrabend immer wieder von Demokratie zu sprechen, aber gerade aktuell ist ja greifbar, dass Zeichen gesetzt, aber eben auch vernünftige Praktiken demonstriert werden müssen. Ich sehe keinen Grund, warum man nicht auf lokaler Ebene so eine Mischform aus Umfrage und Debatte einführen und kultivieren sollte.

Eventuell ergeben sich dann überraschende Gemeinsamkeiten (oder Differenzen), präzisere Formulierungen oder Aufschlüsse darüber, ob z. B. bestimmte Fakten doch noch zu unbekannt sind. Was bei der automatischen Präsentation ganz gut gelingt ist Minderheitsmeinungen nicht untergehen zu lassen, ohne die proportionale Einordnung aus dem Blick zu verlieren. Die Frage, wie repräsentativ die Ergebnisse sind, hängt natürlich wieder vom Organisieren der Teilnahme ab.

Wie ist eure Meinung dazu? Könnt ihr euch vorstellen solche Diskussionen auch hier auszuprobieren und wenn ja, zu welchen Themen?


[zuerst gepostet im alten Forum am 3.3.24]
[Edit 29.9.: Ausklappfeld 'Weitere Art der Verlinkung, die ich nicht erklären kann' hatte nicht funktioniert]

#politik #gesellschaft #digitalisierung

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Die Politik reagiert auf die 'Wohnungsfrage' reflexartig mit Zielmarken für den Neubau von Wohnungen. Im Idealfall würden dann gleichzeitig Bedarfe gedeckt und die Bauwirtschaft würde auch davon profitieren. Die Tatsache, dass die Ziele regelmäßig gerissen werden, überdeckt, dass eine viel grundsätzlichere Auseinandersetzung mit der Problematik notwendig und hilfreich wäre.

Ich greife für den Anfang einen Impuls von Daniel Furhop auf, von dem ich im letzten Jahr einen Vortrag angehört habe und dessen Buch Der unsichtbare Wohnraum. Wohnsuffizienz als Antwort auf Wohnraummangel, Klimakrise und Einsamkeit (2023) open access verfügbar ist.

Angesichts der Klimakrise fände er auch ein Erreichen der Neubauzahlen keinen Grund zum Feiern, zumal nicht alle gebauten Häuser aus allen Nähten platzen. So ist die Wohnfläche von 36,7 Quadratmetern pro Kopf im Jahr 1995 auf 47,4 Quadratmeter pro Kopf in 2020 gestiegen (S.18). Hinter dem rechnerischen Durchschnitt tut sich eine Schere auf. Gerade immer mehr Ältere - und 2035 wird es 4 Mio. mehr Menschen 65+ geben - leben allein oder zu zweit in Häusern, die für vielköpfige Familien ausgelegt waren, umgekehrt verhindern z. B. hohe Mieten den Umzug größer werdender Familien in größere Wohnungen oder sind aus anderen Gründen in einer Wohnung mehr Menschen als Zimmer vorhanden (sog. Crowding, S.21).

Wie in vielen anderen Bereichen ist hier also ein Mangel kombiniert mit einer stark ungleichen Verteilung. Furhop, der sich als 'Wohnwendeökonom' bezeichnet, konzentriert sich nun auf mögliche win-win-Situationen, will niemandem etwas wegnehmen oder streitig machen.

Als möglichen Richtwert für 'viel Wohnraum' verwenden Furhop und andere 80+ m² für Ein- bzw. 100+ m² für 2-Personen-Haushalte. Nach dem Zensus 2011 traf das damals bereits auf 4 bzw. 4, 8 Millionen Haushalte zu (s. S. 20). Die Überlegung ist nun, dass hier auch 'unsichtbarer Wohnraum' eingeschlossen ist. Bei diesem

"handelt es sich bereits um Wohnraum, es geht also weder um anders genutzte Flächen (wie Gewerbe) noch um bislang nicht genutzte Räume (etwa ausbaubare Dachgeschosse). Dieser Wohnraum wird jedoch nicht genutzt, womit kein Leerstand gemeint ist (im Sinne der Bezeichnung leerstehender Wohnungen, für die keine Einwohner amtlich gemeldet sind), sondern die Bewohner nutzen diese Räume nicht (wohl aber andere Räume). Dabei sagen die Bewohner selbst, dass sie diese Flächen nicht verwenden und nicht wünschen (oder nicht benötigen), sie sind also freiwillig offen für andere Möglichkeiten, den unsichtbaren Wohnraum nutzbar zu machen." (81, Hervorhebungen im Original)

Ein paar Möglichkeiten, wie dieser Raum besser genutzt werden könnte:

  • Wohnen: Den Haushalt um Personen erweitern

  • Umbau: Einliegerwohnung abtrennen

  • Umzug: z.B. in Form eines Tausches. Teilweise gibt es schon Umzugsprämien, Furhop plädiert aber für umfassenderen Service durch öffentliche Hand. Eine Variante mit Neubaukomponente ist der Bremer Punkt: Unmittelbar neben Reihenhäusern gebaut, können hier ältere Bewohner*innen von dort in barrierefreie Wohnungen ziehen ohne ihre vertraute Umgebung zu verlassen.

  • Wohnshare / 'Wohnen für Hilfe': Vermittlung von Partnerschaften zwischen Generationen durch Vermittlungsstelle. Vertraglich geregelte stundenweise Hilfe z. B. mit Einkäufen oder im Garten für stark reduzierte Miete. In Deutschland dümpelt dieser Bereich herum, die Stadt Brüssel kommt damit auf 350 Vermittlungen pro Jahr (117). Stand heute behandeln Finanzämter so ein Verhältnis unterschiedlich (172). Im Idealfall haben die Generationen auch sozial etwas von dieser Partnerschaft.

  • Soziale Wohnraumvermittlung: Kommunale Stelle baut Hemmnisse zur Untervermietung ab durch Mietgarantie/Mietbegleitung/Zuschuss zu Renovierung.

Hauptpunkt ist ein beherztes Engagement der öffentlichen Hand, um zwischen sich ergänzenden Bedürnissen zu vermitteln. Das lohnt sich natürlich auch bei leerstehenden Wohnungen. Beim Programm "Wohnraumakquise durch Kooperation" der Stadt Karlsruhe erhält diese im Gegenzug etwa zu Renovierungszuschüssen Belegrecht für 10 Jahre. Sie spart Hotelkosten für die Unterbringung von Menschen, die ihre Wohnung verloren haben. Im Zeitraum 2018/19 wurden so fast 120 Wohnungen wieder belegt (S. 208).

Das Wort Wohnsuffizienz im Titel von Furhops Dissertation weist bereits daraufhin, das man bei den gegebenen Bedingungen nicht immer nur nach Neubau rufen kann und in "einer doppelten Kreislaufwirtschaft des Bauens und des Wohnen" (27) wie in anderen Bereichen auch sinnvoll mit dem Bestand arbeiten muss.

Natürlich können sich mit solchen Modellen nicht alle anfreunden, aber bei der Masse an gebautem Raum machte schon ein Bruchteil viel aus. Längerfristig könnten ja durchaus mehr Wohnbiographien so aussehen, dass eigene Bedürfnisse und Räume öfter aufeinander und mit denen anderer Menschen abgestimmt werden können.


"Raumteiler erklärt - auf schwäbisch" - Beispiel für den Versuch einer kommunalen Vermittlerrolle. In 2018/19 wurden 1.200 Menschen vermittelt (S. 208).

#Wohnen #Kreislaufwirtschaft

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Manche kennen vielleicht noch Plattform-Spiele oder Jump'n'runs wie Donkey Kong, in denen Hindernisse übersprungen und Dinge eingesammelt werden müssen. Mit Play your Place haben ab 2013 Mary Flanagan, Ruth Catlow und andere dieses einfache Spielprinzip aus dem rein Digitalen geholt und auf Veranstaltungen in England zum experimentellen Nachdenken über das eigene Umfeld angeregt.

Die Beteiligten sollten z. B. überlegen, welchen Wandel sie sich für Southend wünschen. Für die Umsetzung galt es dann auf einem Papier vier Elemente mit Worten oder Skizzen zu gestalten:

  • Avatar (Spielfigur)
  • Setting
  • Obstacles (Hindernisse)
  • Rewards/Assets (Belohnungen/Pluspunkte)

Hier eine Erklärung und ein Beispiel zum Thema gesündere Ernährung.

Bei den überlieferten Levels steht öfter das zu vermeidende Negative im Vordergrund, wie Datenkraken in Decentralize the things und Data Body Building, oder man wird unter dem sarkastischen Motto Die Community spirit! Die! selbst zur treibenden Kraft des Zerstörerischen. Mit The End gibt es dann noch einen radikalen Metakommentar zu Handlungsmöglichkeiten.

Eine positivere Variante verknüpft das Radfahren damit Eindrücke von der städtischen Tierwelt einzusammeln.

Ziel der Aktionen war es auch einfach Menschen ins Gespräch zu bringen und Stadt als veränderbar zu zeigen. Da der letztendliche Spielspaß hier ohnehin nicht im Mittelpunkt steht, könnte man sich heute von der Idee auch zu Trockenübungen inspirieren lassen:

Welchen Teil meines Umfelds würde ich als Setting auswählen? Was für Hindernisse und Belohnungen? Eine menschliche Spielfigur oder vielleicht eine Sache?

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Dr. Markus Strauß sieht in der Integration essbarer Wildpflanzen in unsere Alltagskultur “riesige Chancen in den Bereichen Landwirtschaft, Esskultur, Gesundheitsvorsorge, Naturerlebnis und Lebenslust” Mit Hilfe einer Stiftung sind erste Parks entstanden, ich finde diese Idee in jeder Hinsicht toll und wünsche mir, dass das Netz, wie geplant, immer dichter wird!

Ewilpa.net

https://youtu.be/sZSipbbQZw4?si=s6N9YYKM412g9QBC (längeres Interview mit Schwerpunkt Ernährung)

#Landwirtschaft #Ernährung #Biodiversität #Gesundheit #Natur

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Raum für Ideen, Termine, Fundstücke etc.

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Nach dem Überblick zur Kreislaufwirtschaft (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 ) noch Beispiele aus dem Spektrum.

Durch Teilen (z.B. über Bibliotheken der Dinge) können Produktionsbedarfe sinken, bei einer anderen Dimension von Kreislaufwirtschaft geht es um das vorausschauende Design von Produkten oder die Wiederverwendung von Elementen.

Hier ein paar Beispiele aus dem Bausektor, der aktuell noch "zu 36 Prozent der Treibhausemissionen, 50 Prozent der Rohstoffentnahmen und 35 Prozent des Müllaufkommens in Deutschland" beiträgt. Entlang des Lebenszyklus eines Gebäudes gibt es dabei viele Möglichkeiten zur Einsparung wie auch zur wirtschaftlichen Betätigung. (Zahlen - die je nach Quelle bzw. Berechnung variieren - und Geschäftsmodelle für zirkuläres Bauen und Sanieren s. hier )

Zu den Grundbausteinen gehören u. a. wiederverwendete Materialien, wiederverwendbare Materialien, lösbare Verbindungen zwischen ihnen und eine Dokumentation darüber, was verbaut ist (Stichwort Ressourcenpass).

Für das CRCLR House wurde ein altes Brauereigebäude in Berlin in diesem Geist saniert und aufgestockt: Zwei Videos zum Projekt und ein Einblick in die heutige Nutzung als Coworking-Space inklusive Werkstatt und Platz für Veranstaltungen.

Der Neubau der Stadtverwaltung Venlo in den Niederlanden folgte dem cradle2cradle-Ansatz (s. Teil 2). An diesem Ort mit hoher Symbolwirkung wurde nicht oberflächlich, sondern ganzheitlich mit Fassadenbegrünung, Sonnenkamin etc. gestaltet.

Für das eigene Zentrum hat die C2C NGO einen Teil eines Plattenbaus aus DDR-Zeiten saniert. (Überblick + ein Interview ).


Jenseits der Wegwerfkultur: Gespräch im Deutschlandfunk mit dem Bioökonomen Jan Grossarth u. a. zum Baustoff Stroh.

LAB Talk #19: Podcast der C2C NGO mit der Bauingenieurin Lamia Messari-Becker u. a. mit dem Aufruf ganzheitlicher zu denken und nicht z.B. bei Dämmung Kreisläufe zu vernachlässigen.

#kreislaufwirtschaft #gebäude

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Bibliotheken der Dinge (www.youtube.com)
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Nach dem Überblick zur Kreislaufwirtschaft (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 ) noch Beispiele aus dem Spektrum.

Nutzungsverhalten hat eine individuelle Seite, aber auch eine strukturelle. Wir sind umgeben von Konsumoptionen, die den Besitz von Objekten nahe legen, nicht das ressourcensparende Teilen. Mit 'Bibliotheken der Dinge' wird versucht Orte zu schaffen, die ein jahrtausendealtes Prinzip ausweiten und 'Nutzen statt Besitzen' niederschwellig gestalten. Anstelle von Büchern geht es dabei um Werkzeug, Maschinen, Freizeitausrüstung und vieles mehr.

Najine Ameli hat zu den Möglichkeiten und Herausforderungen dieser Initiativen geforscht - und dann in Bochum selbst den Sprung in die Praxis gewagt. Eine Erkenntnis aus ihrer Dissertation Die neue Share Economy: Bibliotheken der Dinge war, dass diese Angebote sich trotz ihrer besonderen Vorteile auch mit Standards in Flexibilität etc. auseinandersetzen müssen, die der kommerzielle Markt gesetzt hat.

Großes Potential stecke dafür auch darin, außer der Ausleihe auch den Umgang mit Werkzeugen oder Instrumenten in unterschiedlichen Formaten anzustoßen (Repair-Cafés, Workshops etc.) Das fördert sowohl den Austausch als auch die individuelle Eigenständigkeit. So zitiert sie etwa Piper, die in einer tool library in Baltimore Menschen ermutigt einschüchternde Gerätschaften auszuprobieren:

"And it's almost as if they stand a little more straight afterwards. They smile a little bit bigger afterwards. They seem different leaving. [...] we have countless individual stories about that." 131


In einer Folge des Podcasts Wir im Wandel der Bundeszentrale für Politische Bildung wird Amelis Bib der Dinge besucht, daneben geht es um andere Beispiele für (Energie)Suffizienz - vor allem eine Initiative gegen Lebensmittelverschwendung.

Webseite der Bochumer Bib der DInge (die gerade umzieht):
https://bib-der-dinge-bochum.myturn.com/library/

Najine Ameli: Die neue Share Economy: Bibliotheken der Dinge : gemeinschaftliche Nutzungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung, Bielefeld 2020 (in Bibliotheken der Bücher)


#kreislaufwirtschaft #suffizienz #konsum #ernährung

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Zum Abschluss dieses Überblicks soll es noch einmal um die Frage gehen, wer bei einer Kreislaufwirtschaft treibende Kraft sein könnte und wie sehr der Schwerpunkt auf (Hoch-)Technologien liegt. Der Aufsatz Circular futures: What will they look like? von Thomas Bauwens, Marko Hekkert und Julian Kirchherr konstruiert anhand dieser zwei Achsen vier Szenarien.

Zentralisiert und low tech: Planned circularity

Schwerpunkt liegt auf (über)staatlichen Regelungen, entsprechend rückt die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz in den Vordergrund, aber auch effektive Möglichkeiten z . B. Rebound-Effekte zu verhindern (also dass Einsparungen zu Mehrverbrauch auf andere Weise verleiten). Low tech oder low tech innovations meint hier auch das vorrangige Ausreizen der höherwertigen R-Strategien.

Zentralisiert und high tech: Circular modernism

Der Staat gibt hier Richtlinien und finanzielle Anreize, v. a. große Konzerne sollen dann mit innovativen Technologien für Effizienzsteigerungen sorgen. Von KonsumentInnen werden eher keine Verhaltensänderungen erwartet, sie nehmen die Innovationen auf dem Markt an oder nicht. High Tech Lösungen wie Sortiersysteme oder KI-gestützte Automation sollen die unteren Rs und das Reduzieren optimieren, sind aber in der Entwicklung anspruchsvoll.

Dezentral und low tech: Bottom-up sufficiency

Vorangetrieben wird die CE hier v. a. durch kleinere Produktionseinheiten der Nah-und Selbstversorgung, die auch Transportwege minimiert. Lokale Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt, nicht Produktion und Konsum im Weltmarktmaßstab. Landleben und urbane Agrikultur werden kultiviert, freiwillige Verhaltensänderungen im größeren Stil sorgen für signifikante Reduzierung von Verbräuchen.

Dezentral und high tech: Peer-to-peer circularity

Digitalisierung ist hier der Dreh- und Angelpunkt und krempelt Produktions- und Nutzungsmuster um. Statt Massenproduktion und Besitz erlauben Plattformen passgenau Herstellung und Zugriff (Sharing economy, Gig economy).

Die vier Varianten werden dann noch hinsichtlich ihrer ökologischen Effektivität, wirtschaftlichen Effizienz, sozio-politischen Machbarkeit und Kompatiblität mit demokratischen Werten in dieser Grafik verzeichnet. Die befragte Fokusgruppe sieht global den zirkulären Modernismus als wahrscheinlichste Variante, da dessen Technik- und Wachstumsorientierung sich in der CE-Konzeption von Regierungsstellen, Konzernen und Organisationen wie der Ellen MacArthur Foundation wiederspiegele.

Da ohnehin auch von Mischtypen auszugehen ist, wird z. B. auch eine konstruktive Kombination von zentralisierten und dezentralen Elementen als wünschenswert bezeichnet: So könnte die Politik klare Ziele und Leitplanken definieren, aber im Geiste der polyzentrischen Governance auch Betrieben und zivilgesellschaftlichen Initiativen Gestaltung auf lokaler Ebene ermöglichen. (S. 11)


https://www.youtube.com/watch?v=fax5RcM0uIc (Video, in dem einer der Autoren die Ergebnisse vorstellt und diskutiert. Ebenfalls auf Englisch.)

[zuerst im alten Forum, 31.3.24]


#wirtschaft #konsum #politik

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Bei den Alternativen zum ‘Weiter so’ fallen zwei gegensätzliche Leitgedanken ins Auge, die jedoch auf ihre Art beide das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden wollen.

Vor allem ökologisch ausgerichtete NGOs setzen Suffizienz auf die Agenda, damit angesichts begrenzter Ressourcen und Emissionsbudgets grundlegend darüber nachgedacht wird, was denn überhaupt nötig ist für ein gutes Leben aller.

Hinter dem Konzept ‘cradle to cradle’ dagegen steht die Auffassung, dass dabei nicht genügend Menschen mitziehen würden und dies auch gar nicht nötig sei, wenn alle Produkte und Prozesse grundsätzlich anders designt würden. Das Ziel ist die umfassende Imitation des natürlichen ‘Es gibt keinen Abfall’-Prinzips auch im künstlichen Bereich, wo alles letztlich zu ‘technischen Nährstoffen’ zur weiteren Verwendung und damit unproblematisch wird.

Da man dieses Ziel als äußerst ambitioniert bezeichnen darf, sehe ich die starke Abgrenzung von der Suffizienz auf dem Weg dahin kritisch, wie sie z. B. im Buch “Intelligente Verschwendung. The Upcycle: Auf dem Weg in eine neue Überflussgesellschaft” (2013) der beiden Gründer Braungart und McDonough betrieben wird. Während gegen Einschränkung argumentiert wird, sind selbst im anvisierten Zielzustand verschwenderische Lebensstile nur möglich, wenn auch Energie für die Kreisläufe im Überfluss vorhanden ist. Bis dahin dürften das Anerkennen von Grenzen, verbrauchsseitige Verhaltensänderungen und die entsprechenden R-Strategien nicht so überflüssig sein wie dieses Plädoyer für Kreislaufwirtschaft es darstellt.

Es weist so eine argumentative Nähe auf zu einem Framing von ‘Verzicht’ als unnötigem und kontraproduktivem Stimmungskiller. Die praktische Seite des Konzepts - detaillierte Bestandsaufnahmen und kreislauforientiertes Umdesignen (welches der privatwirtschaftliche Arm zertifiziert s. https://c2ccertified.org/ Für die deutsche NGO s. https://c2c.ngo/ ) - und das Motivieren zu verträglicher Kreativität könnten dabei gut mit dem anderen Ansatz kombiniert werden.

In dieser anderen Perspektive wird aus den planetaren Grenzen die Notwendigkeit abgeleitet, u. a. Ressourcenverbräuche absolut zu reduzieren, ob die Produktionsweisen dies gerade begünstigen oder nicht. Analog zur Klimaneutralität soll deshalb das Endziel auf Etappenziele heruntergebrochen werden, die den Fortschritt überprüfbar machen. Der BUND z. B. fordert deshalb die Vorbereitung eines Ressourcenschutzgesetzes im Rahmen der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/klimawandel/handlungsbedarf-nationale-kreislaufstrategie-nkws-forderung-ressourcenwende-bund-2023.pdf).

Da die psychischen und sozialen Belastungsgrenzen aber auch nicht überschritten werden sollen, soll meist das ‘Weniger’ der Suffizienz-Idee zugleich auch ein ‘Genug’ sein, das kein äußerstes Minimum ist. Dabei ist das ‘Genug’ jenseits des blanken Überlebens eine höchst subjektive Sache. Suffizienzansätze versuchen daher häufig die Idee eines Korridors zu etablieren, der innerhalb der Grenzen noch Spielraum für individuelle Präferenzen lässt und demokratisch ausgehandelt werden kann. Wie Braungart und McDonough mit dem Bild der ‘verschwenderisch’ produzierten Kirschblüten, knüpft die Wortwahl auch hier öfter an natürliche Pracht an, wenn z. B. der Korridor das flourishing (Gedeihen) menschlicher Existenz ermögliche. [1]

Eine altbekannte Metapher für unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Sachlage ist das halb volle oder halb leere Glas. Braungart und McDonough formulieren an einer Stelle eine dritte, analytischere Beschreibung: “Das Glas ist voll von Wasser und Luft.” (s. o., S. 198). Die Aufforderung, viel genauer als bisher hinzusehen, mit was wir uns permanent umgeben (wollen), kann man beiden Ansätzen entnehmen.


[1] Bärnthaler/Gough: Provisioning for sufficiency: envisaging production corridors (2023), Fig. 1 https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/ressourcenschonung-in-produktion-konsum/fragen-antworten-zu-cradle-to-cradle

[zuerst im alten Forum, 30.3.24]


#wirtschaft #konsum #suffizienz

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